Selbstwirksamkeit im Arbeitskontext – warum sie der Schlüssel zu Motivation und gesunder Führung ist

12.2.26 | Selbstwirksamkeit

„Ich kann etwas bewirken.“

Dieser einfache Satz klingt nicht nur gut – er beschreibt, was Menschen stark, engagiert und resilient in Veränderungsprozessen macht und motiviert: Selbstwirksamkeit. Im Arbeitskontext ist sie weit mehr als ein psychologisches Konzept – sie ist eine Haltung, die entscheidet, ob Menschen sich als Gestaltende oder als Getriebene erleben. Führung hat darauf einen besonderen Einfluss.

 

Was bedeutet Selbstwirksamkeit?

Der Begriff geht auf den Psychologen Albert Bandura zurück. Er beschreibt Selbstwirksamkeit als das Vertrauen in die eigene Fähigkeit, Herausforderungen erfolgreich zu meistern.
Es geht also nicht darum, alles zu können, sondern darum, überzeugt zu sein: „Ich finde einen Weg.“

Menschen mit einer hohen Selbstwirksamkeit:

  • gehen Probleme lösungsorientiert an,
  • bleiben auch in Krisen handlungsfähig,
  • und erleben berufliche Zufriedenheit, weil sie Einfluss und Wirkung auf ihr Tun sehen.

 

Selbstwirksamkeit in der Arbeitswelt

In Organisationen zeigt sich Selbstwirksamkeit auf zwei Ebenen:

  1. Individuell – Mitarbeitende, die sich als wirksam erleben, übernehmen Verantwortung, bringen Ideen ein und gestalten Veränderungen aktiv mit.
  2. Kollektiv – Teams, die gemeinsam an ihre Wirkung glauben, sind kreativer, resilienter und unterstützen sich gegenseitig bei Herausforderungen.

Besonders in sozialen Organisationen ist Selbstwirksamkeit zentral: Wer täglich für andere da ist, braucht auch das Gefühl, die eigene Arbeit beeinflussen und gestalten zu können.

Erste Schritte zur Selbstwirksamkeit von Teams beobachte ich mittlerweile auch in früher „traditionell geführten“ Verwaltungsbereichen: Wo bisher sehr eng und hierarchisch geführt wurde – mit Führungskräften, die alles selbst überwachen wollten, Mikromanagement betrieben, wo Loslassen ein Fremdwort war – stellt sich schrittweise mehr Vertrauen und der Mut hin zu selbstorganisierten Teams ein. „Ich bemerke, dass mein Beitrag zählt“, sagte eine Mitarbeiterin aus einem Unternehmen einmal zu mir, nachdem sich Veränderungen im Führungsstil ihres Vorgesetzten zeigten.

 

Was stärkt Selbstwirksamkeit?

Führungskräfte haben hier eine Schlüsselrolle. Sie können Selbstwirksamkeit fördern, indem sie:

  • Vertrauen schenken: Verantwortung teilen statt Kontrolle ausüben.
  • Erfolge sichtbar machen: Kleine Fortschritte würdigen stärkt die Zuversicht.
  • Beteiligung ermöglichen: Mitarbeitende in Entscheidungen einbeziehen.
  • Lernräume schaffen: Fehler als Lernchancen sehen, nicht als Schwäche.

Ein wirksamer Ansatz ist es, gezielt Ressourcen und Erfolgserlebnisse zu reflektieren. Wer sich an Situationen erinnert, in denen etwas gut gelungen ist, aktiviert genau die Energie, die Selbstwirksamkeit stärkt.

Führungskräfte können die Selbstwirksamkeit beispielsweise in Team-Meetings stärken. Dabei helfen Fragestellungen wie: „Was ist dir in dieser Woche gut gelungen?“ „Was hat dir Schwung gegeben?“. Damit kann das positive Wirkungserleben von Mitarbeitenden gefördert werden. Letztendlich will jede und jeder das Gefühl haben, mit seiner Aufgabe zu wirken und etwas zu bewirken. Dafür braucht es Resonanz. Was es nicht braucht, ist Mikromanagement von Führungskräften.

 

Selbstwirksamkeit beginnt bei der Führungskraft selbst

Selbstwirksam führen heißt, sich der eigenen Einflussmöglichkeiten bewusst zu sein – ohne Allmachtsfantasien, aber mit innerer Klarheit. Es bedeutet, den eigenen Anteil am Gelingen zu erkennen, anstatt sich von äußeren Umständen bestimmen zu lassen. Es bedeutet auch, das zu tun, wofür Führung gedacht ist: In den Teammitgliedern die Kraft und das Vertrauen zu stärken, selbst wirksam sein zu können.

Systemisch betrachtet, ist Selbstwirksamkeit kein isoliertes Phänomen, sondern entsteht in Beziehung: Wenn Führungskräfte Räume öffnen, in denen andere wachsen dürfen, erleben auch sie selbst ihre Wirksamkeit intensiver. Eine angenehme Wechselwirkung, wie ich finde.

Ich habe es selbst erlebt: Indem ich meinem Team Räume geschaffen und Leitplanken gesetzt habe, in denen sie eigene Ideen entwickeln und ausprobieren konnten, konnten sie ihre Wirksamkeit entfalten. Ich habe erlebt, wie sie das motivierte. Eine Mitarbeiterin, die vorher in einem nicht selbstwirksamkeits-fördernden Umfeld gearbeitet hat, entwickelte sich zu einer selbstbewussten, energiegeladenen Persönlichkeit und Fachfrau, was auch andere in ihrem Umfeld bald feststellten und würdigten. Mich hat das sehr zufrieden gemacht.

 

Mein Plädoyer für Selbstwirksamkeit

Selbstwirksamkeit ist der Motor gesunder, motivierender und zukunftsfähiger Arbeit.
Wer sie stärkt – bei sich und im Team -, fördert Eigenverantwortung, Innovationskraft und Resilienz.

Oder in einem Satz: Selbstwirksamkeit ist die leise Kraft, die Großes bewegt.